Selbsthilfe für Angehörige

Selbsthilfe für Angehörige

Erinnern wir uns an jedes erste Mal? Die ersten Schritte als Kleinkind? Kaum. Gerne glauben wir noch den Geschmack unserer Lieblingsglace von damals zu kennen, das schon eher. Andere erste Male sind uns bestimmt bekannter, weil unmittelbarer erlebt. Zu Weihnachten ein Gedicht unter dem Tannenbaum aufgesagt oder für Schule und Sport zur Prüfung angetreten. Die Abschlussarbeiten der Lehr- und Studienzeit, der Führerschein, das erste Bewerbungsgespräch. Jeder Mensch erlebt immer und immer wieder ein erstes Mal. Ein Leben lang.

Und nun zum ersten Mal eine Selbsthilfegruppe besuchen.

Vielleicht, weil der Lebenspartner trinkt. Von Therapeuten wird man in einem solchen Fall als co-abhängig oder mitbetroffen bezeichnet. Und weil man sich vor dem ersten Besuch im Internet zum Thema Alkoholismus eingelesen hat, hängt man sich auch gleich selbst dieses Etikett an. Eigentlich ist das vollkommen unnötig, aber das weiss man beim ersten Mal noch nicht. Jetzt steht nämlich endlich das erste Gruppentreffen an und man sollte durch die Eingangstür treten. Aber erst kommt noch dieses Kribbeln im Bauch, das so gar nichts mit Verliebt sein zu tun hat. Es ist eher unangenehm. Und die sinnbildliche Schwellenangst vor dem Unbekannten spürt man bis in die Fingerspitzen. Was erwartet mich? Auf wen werde ich treffen? Wie reagieren die Anderen, bestimmt viel erfahreneren, Gruppenteilnehmer auf mich? Werden die mich überhaupt verstehen, sich für mein Anliegen interessieren?

Jede Person erlebt natürlich ihren eigenen ersten Besuch einer Selbsthilfegruppe anders. Bei manchen überwiegt die Neugierde, andere knüpfen an den Besuch der Gruppe so positive Erwartungen und Hoffnungen, dass sie sich richtig freuen und den Beginn kaum erwarten können. Die Motivationen sind so vielfältig wie unsere Emotionen vor dem ersten Mal: Von der Erkenntnis, dass die Lebenseinstellung konsequent verändert werden muss bis zum banalen Zwang, dass einem nach dem Entzug des Führerscheins keine andere Wahl mehr bleibt.

Und nach dem ersten Besuch? Wir haben den Frauen und Männern, die unsere Selbsthilfegruppen besuchen, zugehört. Das Stärkende überwiegt. Ehrfurcht vor der Leistung der Anwesenden, von Erstaunen und einer positiven Kraft wird gesprochen. Irrtümer können thematisiert, Defizite erläutert werden. Auf Verständnis treffen und Mitglieder der Gruppe verstehen lernen. Die Gefühle nach dem ersten Mal: Die beruhigende Gewissheit, es schaffen zu können. Das kribbelt richtig gut im Bauch.


Selbsthilfegruppen in Zürich und Winterthur
044 271 15 88
selbsthilfe(at)bkzh.ch